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Ein Reisebericht über den Golf von Neapel

von Babsi, sorrentina@gmx.at

» Teil 2

Golf von Neapel und Amalfiküste - Homepage

Mittwoch, 26.03.03 - Reisefieber

Es ist Abend, so gegen 18.00 Uhr, noch anderthalb Tage bis zur Abreise. Aber schön langsam kommt Urlaubsstimmung auf. Während meine Schwester noch fleißig am Musik hören ist (sie muss sich seelisch auf den letzten Arbeitstag vorbereiten...) und meine Mutter meiner Großmutter Wimpern und Augenbrauen färbt (schließlich will jeder schön sein, wenn man auf Reisen geht...), halten mein Vater und ich Ausschau nach den ersten Reiseteilnehmern, die ihr Gepäck zu den Nachbarn, Helmut und Ida, bringen. Von dort soll es am nächsten Tag abgeholt werden, und zwar von einem Chauffeur der Firma Blaguss, bei der wir unsere Reise gebucht haben. Er holt das Gepäck mit seinem Bus ab, fährt damit nach Italien - ohne uns, wir fliegen -, begleitet uns die ganze Woche über und bringt uns schließlich nach Hause.

Nach und nach trudeln fast alle Reiseteilnehmer ein (die letzten bringen ihr Gepäck Donnerstag früh) und stapeln ihre Koffer und Reisetaschen in der Garage übereinander. Insgesamt werden wir 38 Leute sein. Je mehr Gepäck gebracht wird, desto mehr werden mein Vater und ich vom Reisefieber gepackt und wollen nichts wie los. Doch zuerst heißt es: Ab nach Hause - Koffer packen!

Donnerstag, 27.03.03 - Wenn einer eine Reise tut...

Um 7.00 Uhr bringen meine Eltern unser Gepäck zu Ida und Helmut. Nun ist Warten angesagt. Der Bus soll um 9.30 Uhr kommen. Knapp vor 9.00 Uhr klingelt das Telefon. Es ist Ida. Ihr Mann ist im Weingarten, um die letzten notwendigen Arbeiten zu verrichten. Er hat York dabei, seinen Hund. Der hat die Spur eines Rehs gewittert und sich aus dem Staub gemacht. Also fahren meine Mutter und Ida auf Hunde-Suche, Oma holt sich vom Arzt das OK zur Reise (wir wären fast alle krank geworden; sie hat es am ärgsten erwischt) und Ella, die Frau von Sepp, unserem "großen" (Körpergröße: ca. 1,90 - 2m) Biertrinker, mein Vater und ich stehen bei den Nachbarn im Hof und warten und warten...

Pünktlich um 9.30 Uhr taucht der imposante Bus auf: ein Setra 415 HD, silber lackiert, mit roter Blaguss-Aufschrift und süßen, schwimmenden Babys auf beiden Seiten. 50 Sitze, Klimaanlage, WC, Küche, Bar, Videoanlage - die neueste Generation Reisebusse, die zu der Zeit am Markt sind. Genau genommen könnte man diesen Bus als Zweitwohnsitz verwenden, nur - was macht man mit 50 Sitzen?
 
Edith und der Chauffeur steigen aus. Edith arbeitet im Reisebüro, bei ihr haben Ida und meine Mutter die Reise gebucht, sie wird uns begleiten. Der Chauffeur heißt Felix und macht einen sympathischen Eindruck,

Mit vereinten Kräften werden die Koffer in den Bus verladen, dann platziere ich die selbst gebastelten "Reserviert"-Schilder in den ersten beiden Sitzreihen. Die sind allerdings nicht für meine Familie gedacht, sondern für jene Leute aus der Gruppe, denen beim Fahren leicht schlecht wird. Die Reservier-Aktion ist deshalb nötig, weil - wie meine Mutter und Ida aus langjähriger Gruppenreise-Erfahrung wissen - ein Bus 20 erste Reihen bräuchte. Jeder will vorne sitzen...

York ist übrigens auch wieder aufgetaucht. Er ist von selber zu Helmut in den Weingarten zurückgekommen.

Freitag, 28.03.03 - Ab in den Süden!

8.45 Uhr.

Unsere Gruppe wird von einem Bus abgeholt - nicht von Felix, der ist zu der Zeit schon nahe Rom - und zum Flughafen Wien-Schwechat gebracht. Edith hat am Abend zuvor einen Gruppencheck gemacht und erspart uns nun das Einchecken. Dafür haben wir umso mehr Zeit für ein zweites Frühstück am Flughafen. Während Kurzstrecken-Flügen wird ja kein Essen mehr serviert, und bis wir im Hotel sind und Abendessen bekommen, dauert es noch...

Anscheinend gilt das mit dem Essen nur für die Austrian Airlines. Auf dem Alitalia-Flug AZ 191 Wien - Rom werden wir reichlich verköstigt und landen gegen 13.30 Uhr in Rom-Fiumincino. Auf unser Gepäck müssen wir auch nicht mehr warten, das ist ja schon im Bus.

Edith führt uns zum Bus, allerdings fehlt von Felix jede Spur - was bei einem speziellen Reiseteilnehmer, der später noch aus der Reihe tanzen wird, für Unmut sorgt. Später stellt sich heraus, dass Felix im Flughafen auf uns gewartet hat.

Während der Fahrt nach Sorrent legen wir eine kurze Kaffeepause ein, während der nicht nur der dringend nötige Koffein-Nachschub konsumiert wird, sondern auch Mohn- und Nussstrudel und Schnaps. Davon haben wir - hoffentlich - ausreichend mit.

Um 18.00 Uhr kommen wir schließlich im Hotel Michelangelo in Sorrent an. Während Edith an der Rezeption die Zimmerschlüssel verteilt und sich 38 Personen inklusive Gepäck um zwei je Sechs-Personen-Aufzüge streiten, machen sich meine Schwester und ich zu Fuß auf den Weg in den vierten Stock, in unser wunderbares Zimmer in diesem wunderbaren Vier-Sterne-Hotel (Foto)..

So schön kann das Hotel aber gar nicht sein, dass es keine Beschwerden darüber gibt: Zugegeben, das Michelangelo liegt neben der Bahnstrecke und Sepp kommentiert das so: "Wenn ich vom Balkon einen Schritt raus mache, kann ich in einen vorbeifahrenden Zug einsteigen!" Dennoch ist das harmlos im Vergleich zu Katharinas "verhextem" Zimmer: Sie kann keine Nacht schlafen, weil sie der Lärm der vorbeiratternden Züge - trotz Ohrstöpsel - nicht zur Ruhe kommen lässt. Merkwürdig, zwischen 23.00 Uhr du 6.00 Uhr gibt es nämlich gar keinen Zugverkehr...

Außerdem funktioniert die WC-Spülung nicht - aber anscheinend nur bei Katharina, denn Zimmerkollegin Anna hat keine Probleme damit. Anna ist es auch, die ein Zimmer-Tausch-Angebot von Edith ausschlägt. So schlimm sei das Zimmer ja gar nicht. Und den verrosteten Gockel, der jeden Morgen kräht, den scheinen auch nur meine Eltern, meine Schwester, Felix und ich zu hören. Wer weiß - vielleicht ist das Michelangelo ja wirklich magisch..

Samstag, 29.03.03 - Amalfiküste, die Göttliche

8.30 Uhr.

Felix mit dem Bus und Reiseleiter Vincenzo erwarten uns vor dem Hotel. Heute soll es an die Amalfiküste gehen. Schon das Hinterland von Sorrent ist traumhaft mit den vielen Zitronenbäumen, aber als wir dann die malerische Küstenstraße erreichen, bleibt uns beinahe der Atem weg. Die Aussicht auf das Meer und die Li Galli, die versteinerten Sirenen des Odysseus, ist unbeschreiblich schön. Aber es kommt noch besser. Während Felix fahrerische Meisterleistungen vollbringt (wie er sich mit dem Bus die enge, kurvenreiche Küstenstraße entlangschlängelt, ist bewundernswert), bestaunen wir die Orte Positano und Praiano, die sich vom Meer aufwärts in die steile Felsenküste schmiegen. Häuser in allen Farben übereinandergestapelt, Kirchtürme mit ihren Ceramica- und Maiolica-Kacheln, dazwischen immer wieder das Meer - die Costa Amalfitana ist einzigartig!

 
Vincenzo redet - typisch Neapolitaner (mit großer Unterstützung seiner Hände) - ohne Unterbrechung, das heißt, er würde es tun, wenn sein Handy nicht pausenlos klingeln würde. Trotzdem erfahren wir Unmengen über die Gegend, geographisch, historisch, kulturell, wirtschaftlich, agrarisch, kulinarisch. Und da natürlich auch die Wirtschaft angekurbelt werden muss, gönnt uns Vincenzo einen kurzen Shopping-Stopp an der Costa divina, um die typischen Keramikprodukte zu erstehen. Zugegeben, die Fliesen, Teller, Schüsseln,... mit den Zitronenmustern sind ja recht hübsch, aber ich nehme bald Reißaus, vor allem, als noch ein zweiter, dritter, vierter Bus Halt machen und die Schlange vor dem WC auf einen Kilometer anwächst...

Um die Mittagszeit erreichen wir Amalfi, wo wir aussteigen und nach einer kurzen Führung von Vincenzo unsere Freizeit genießen. Vor dem Dom werden noch unzählige Gruppenfotos gemacht, dann geht jeder seine eigenen Wege. Gemeinsam mit meiner Familie, Helmut und Ida besichtige ich den Dom von innen und wir kommen sogar gratis hinein (sonst: Eintritt € 2,-), weil eine Hochzeit auf dem Programm steht. Als wir dann noch Edith treffen, stärken wir uns mit sfogliatella, auch Santa Rosa genannt, einer süßen Spezialität aus der Gegend (Blätterteigtaschen mit Ricotta gefüllt).

Gesättigt, mit Postkarten versorgt und erleichtert (Original-Zitat von Sepp: "Für das Bier am Domplatz hab ich € 6,- bezahlt!") treffen wir uns alle am Hafen wieder, von wo wir zu einer Schifffahrt entlang der Costa Amalfitana aufbrechen. Die kostet extra € 10,- pro Person, aber der Ausblick lässt uns das schnell vergessen. Zunächst schippern wir ein Stück zurück, sehen die Villa von Sophia Loren, kehren um, passieren Ravello, Minori und Maiori, machen einen Abstecher in eine kleine Grotte und landen schließlich in Cetara, wo Felix mit dem Bus bereits auf uns wartet. Doch damit ist dieser Tag noch lange nicht zu Ende.
 
Wir fahren zwar zurück nach Sorrent, aber nicht ins Hotel, sondern auf den Bauernhof von Mamma Rosa. Vincenzo erleichtert uns abermals um € 10,- pro Person. Dafür führt uns Rosa über den Bauernhof, zeigt uns den Weinkeller, die Ölmühle, den Zitronenhain und weiht uns in die Geheimnisse der Mozzarella-Zubereitung ein. Doch damit nicht genug. Anschließend bekommen wir noch eine wohlschmeckende Jause, bei der alle Köstlichkeiten, die am Bauernhof produziert werden, serviert werden: Mozzarella, Tomaten, Oliven, Prosciutto, Salami, frisches Weißbrot, wunderbarer Rotwein und natürlich Limoncello, ein ausgezeichneter Zitronenlikör. Dann wird natürlich fleißig eingekauft - schade, dass wir mittlerweile schon wieder alles verzehrt haben...

Voll bis oben hin kommen wir zurück ins Hotel, wo wir das Abendessen in uns hineinstopfen (wenn das Essen in Italien nur nicht so gut wäre...) und stehen kurz vorm Platzen. Also brechen meine Eltern und ich zu einem abendlichen Bummel durch Sorrent auf, wo wir auf "Bougainvillea" stoßen, ein Eisgeschäft, das mehr als 70 Sorten der kalten Köstlichkeit anbietet. Da kommen wir natürlich nicht so ohne Weiteres vorbei...

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