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Ein Reisebericht über den Golf von Neapel

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von Babsi, sorrentina@gmx.at

Dienstag, 01.04.03 - Capri - Piú bella cosa
 
Die Witzeerzählerei wird am nächsten Morgen am Hafen von Sorrent fortgesetzt, während wir darauf warten, die Fähre nach Capri zu besteigen. Um die Wartezeit zu verkürzen, klebt uns Vincenzo Anstecker mit seinen Initialen (VP) an unsere Jacken, damit wir auf der Insel nicht verloren gehen und - falls doch - von den Bussen mitgenommen werden. Meine persönlichen Erwartungen an Capri sind höher als jene an Ischia und ich hoffe sehr, dass ich nicht auch von dieser Insel enttäuscht werde.

Das Wetter ist wunderschön, als wir in Marina Grande anlegen. Vincenzo verfrachtet uns in zwei Mini-Busse, die uns zunächst nach Anacapri bringen. Schon während der Fahrt wird klar, dass mich Capri einfach nicht enttäuschen kann, so traumhaft ist es dort.

In Anacapri führt uns Vincenzo an der Villa San Michele vorbei zu einem Aussichtspunkt, wo er uns allerlei Wissenswertes über jene Villa und die Villa Jovis erzählt. Danach ist Freizeit angesagt. Obwohl recht teuer, werden Zitronenschokolade, handgemachte capreser Sandalen und Hüte gekauft. Nach dem Touristen-Mittagsmenü für € 10,- (so wie auf Ischia und in Pompeji) geht es mit den Bussen weiter nach Capri. Die Stimmung ist recht heiter, und plötzlich kommen einige auf Priapos, den Fruchtbarkeitsgott, zu sprechen...

Auch in Capri führt uns Vincenzo zu einem Aussichtspunkt. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir erkennen rasch, dass die Läden viel zu teuer für uns sind und gönnen uns eine Erfrischung in einem der Cafés an der Piazzetta, dem Hauptplatz Capris. Wir sind fasziniert von der Insel und verstehen mit einem Mal, warum die Menschen so von Sehnsucht erfüllt sind, wenn sie von jener Insel reden!

Die Zeit drängt, um 15.00 Uhr brechen wir von Marina Grande aus zu einer Inselrundfahrt mit dem Schiff auf. Vincenzo hat uns von einem Ausflug in die Grotta azzurra abgeraten, weil erstens: viel zu teuer und zweitens: kein Genuss, weil es ein permanentes Hinein- und Hinausgekarre von Touristen ist. Also lieber Inselrundfahrt.

Obwohl das Wetter prächtig ist und auf der Insel kein Luftzug zu spüren war, werden wir auf unserem Schiff heftig hin und her geschaukelt. Als dann noch die Wellen bis zu uns aufs Oberdeck hinauf spritzen, packen wir Fotoapparate und Videokameras schleunigst ein. Wir kommen zu den Faraglioni, den felsigen Wahrzeichen Capris. Nach einer Fahrt durch eine Art Tor in einem der Felsen kehren wir wieder um, damit uns die Fähre nach Sorrent nicht davonfährt. € 10,- pro Person müssen wir trotzdem bezahlen, obwohl wir nicht einmal die Hälfte der Insel umrundet haben.

Als meine Eltern, meine Schwester, Edith, Felix und ich beim Michelangelo ankommen (wir haben für die Fahrt vom Hafen zum Hotel ein eigenes Taxi bekommen, weil wir im Bus, mit dem der Rest der Gruppe fährt, keinen Platz mehr haben), wollen wir eigentlich noch shoppen gehen, aber wir werden von unserer Gruppe überrascht, die am Platz vor dem Hotel einen Kreis um Vincenzo gebildet hat und "Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen..." singt. Abschied von Vincenzo. Er war ein wirklich wunderbarer Reiseleiter, war immer für uns da, beantwortete jede Frage und hat niemanden durch zu viel Erzählen überfordert (die Reisegruppe war schon öfter miteinander unterwegs und erinnert sich mit Grauen an jenen Vincenzo auf Sizilien, dessen Ausführungen eher Vorlesungen an der Uni geglichen haben sollen - angeblich, ich war da nicht dabei). Nach der Verabschiedung kommen wir doch noch zu unserem Einkaufstripp und verbringen den Abend nach einem ausgezeichneten Abendessen in der Hotelbar. Dort will Felix ständig den RTL-Teletext im Fernsehen lesen, Edith veranstaltet ein Italienisch-Quiz mit dem Vokabular ihres Reiseführers, und Dorli, meine Familie und ich schlürfen Long Drinks. Die Damenrunde unserer Gruppe unterhält sich am Nebentisch prächtig. Sie trinken, lachen und flirten, vor allem mit dem Barkeeper. Der grinst immer nur ob der Angebote und Zimmernummern, die ihm im Lauf des Abends zugetragen werden..
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Mittwoch, 02.04.03 - Neapel und Caserta - Lebensgefühl contra Kultur

Letzter Tag im Golf von Neapel. Dafür werden wir italienisches Lebensgefühl pur erleben - Neapel!

Es beginnt schon auf der Autobahn. Weil alle Zufahrten verstopft sind, lotst Mamma Herma Felix über die tangenziale in die Stadt, quasi durch den Hintereingang, wo der Verkehr zumindest noch fließt. Irgendwie gelangen wir zur Uferpromenade, jedoch ohne den von Felix versprochenen Stopp an einer Aussichtsplattform mit atemberaubendem Blick über Stadt, Meer und Vesuv. Zu meinem Vorteil war ich mit meiner Schulklasse vor fünf Jahren genau an diesem Aussichtspunkt - und weiß daher, was alle anderen versäumen.

Der Verkehr stockt immer mehr, nach einem kurzen Halt am Castel dell´Ovo gibt’s überhaupt nur noch Stop-and-go-Verkehr. Weil wir so nicht wirklich weiterkommen, lässt Mamma Herma Felix in einem waghalsigen Manöver (man bedenke: Wir sind in Neapel!) seinen Bus von der äußerst linken auf die äußerst rechte Fahrspur lenken, wo er uns aussteigen lässt und alleine seinen Weg durch das neapolitanische Verkehrsgewühl fortsetzt (als ob wir ihm bisher dabei geholfen hätten...).

Mamma Herma führt uns auf die Piazza del Plebiscito, zeigt uns dort die Kirche San Franceso di Paola und den Palazzo Reale, dann bringt sie uns in die Galleria Umberto I., wo sie uns nach wenigen Erklärungen in die Freizeit entlässt. Wir haben nicht allzu viel Zeit, zum Shoppen sind die Läden etwas zu exklusiv, dass die Altstadt gleich in der Nähe ist, verschweigt man uns - also genehmigen wir uns einen Cappuccino in einem Café in der Passage und schreiben letzte Ansichtskarten (von Sorrent und Capri haben wir schon welche abgeschickt, mal sehen, welche schneller sind, obwohl - die Geschwindigkeit der italienischen Post dürfte hinreichend bekannt sein...).

Nach dem Neapel-Kurzaufenthalt geht es weiter zum Barockschloss von Caserta. In Italien ist es üblich, dass sich die Touristen ihre Eintrittskarten selber von der Kassa abholen. Vincenzo hatte uns bisher immer verwöhnt und sie selbst abgeholt, aber Mamma Herma, die schon lange genug im Geschäft ist, reißt sich kein Bein aus und lässt uns die Karten holen. Im Grunde ist es ja auch egal, ob sie alle Karten holt und an uns verteilt, oder ob wir uns die Karten selber holen. Die Zeit, die draufgeht, ist dieselbe. Jener Herr, der sich schon am Flughafen darüber aufgeregt hat, dass Felix nicht beim Bus war, zeigt sich nun brüskiert darüber, dass er mal selber was tun muss und tut seinen Unmut gleich kund. Und weil er schon dabei ist, beschwert er sich auch gleich darüber, dass seine Frau und er im Hotel getrennte Betten haben - und statt die Schuld dafür dem Hotel zu geben, gibt er sie jenem Reiseunternehmen, mit dem wir unterwegs sind. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich. Während meine Mutter und Edith fast die gesamte Caserta-Führung darüber diskutieren, sagt Felix trocken, dass die Betten Rollen hätten und man sie zusammenschieben könne.

Obwohl ich Geschichte-Lehrerin bin, reißt mich Caserta nicht sonderlich mit. Wenn man schon in genug Schlössern war, wird man früher oder später feststellen, dass sie im Grunde alle gleich ausschauen.

Natürlich wird auch Mamma Herma stilgerecht vorm Hotel verabschiedet, im Kreis und mit Gesang. Nach einem allerletzten Spaziergang durch Sorrent und dem allerletzten Abendessen in Michelangelo setzen wir uns zum allerletzten Mal in die Hotelbar.

Donnerstag, 03.04.03 - Montecassino - Castiglion Fiorentino

Über Nacht ist es kalt geworden, nun ist also die Schlechtwetterfront gekommen, die uns eigentlich schon für Montag prophezeit gewesen war. Uns ist es egal, wir treten den ersten Teil unserer Heimreise an.
 
Die bringt uns zunächst zum Kloster Montecassino. Dort gießt es zeitweise in Strömen und die anderthalb Stunden Aufenthalt sind - aufgrund des Regens - zu viel des Guten. Wir erkennen nun sehr gut die Vorteile eines Reiseleiters: Wir müssen nur zuhören. Und nun, ohne Vincenzo oder Mamma Herma, müssen wir uns mühsam alle Informationen selber zusammentragen. Trotzdem war das Kloster den Besuch wert.

Als wir gegen 18.00 Uhr das Hotel Park in Castiglion Fiorentino nahe Arrezzo (Toskana) erreichen, zeigt die Bus-Außentemparatur-Anzeige satte 8°C an. Noch dazu weht der Wind. In den Zimmern ist es nicht viel wärmer, wir müssen zunächst die Heizung aktivieren. Auch beim Abendessen und in der Hotelbar ist es kalt. Schade, dass der Swimming-Pool im Freien ist...

Freitag, 04.04.03 - Arrivederci!

Freitag - der Tag der Heimreise. Rund 800 bis 900 km sind es noch bis nach Hause. Bei der Fahrt über den Apennin schneit es sogar. Zu Mittag stehen wir bei Venedig eine Stunde im Stau und nach Tarvis zum Einkaufen will dann auch niemand mehr. Nachdem wir auf der Südautobahn in der Steiermark noch fast in einen Stau geraten, sind wir - trotz der wunderschönen Tage, die hinter uns liegen - froh, dass wir wieder daheim sind. Aber zumindest für meine Familie ist eines klar: Wir waren zwar zum ersten, aber sicher nicht letzten Mal am Golf von Neapel
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