Pizzette fritte: die Pizza des armen Volkes (Teil 2)

» Teil 1

Aber die fritierte Pizza ist noch älter und wird mit dem neapolitanischen Ausdruck "a ogge a otto" assoziert, d.h. sie wird heute gegessen und erst in einer Woche bezahlt. Sie war das Nahrungsmittel des "popolino", des armen verschuldeten Volkes, das in den engen Gassen des alten Neapels gelebt hat. Die fritierte Pizza, gefüllt mit Ricotta, Salami, Mozzarella oder als einfacher Teig ohne Füllung war die günstigere Version der im Ofen gebackenen Pizza, die nicht alle bezahlen konnten.
Die Pizza "a ogge a otto" wurde in den "bassi" verkauft, ärmlichen Ein-Zimmer-Wohnungen ohne Fenster auf Straßenebene, noch heute eine Symbol des armen Neapels. Oft haben sich die Ehefrauen des Pizzaiolo, der vor seinem Gang in die Pizzeria den Teig zubereitet hat, um das Fritieren und den Verkauf gekümmert. Der Kunde, meistens selbst ein Bewohner der "bassi", hat die Pizza gekauft, weil die Pizzabäckerin ihm den Kredit in einem mit Öl verschmutzten Heft vermerkt hat. Für den Tag war das Problem des Hungers gelöst, nach einer Woche hat man dann an die Begleichung der Rechnung gedacht! 
Eine andere Erklärung dieses Begriffs kommt daher, daß diese Basso-Pizzerien nur an einem Tag in der Woche geöffnet waren, weil sie direkt von einem Pizzabäcker geführt wurden. Dieser hat an seinem freien Wochentag die mageren Einkünfte der Familie mit dem Verkauf von fritierten Pizzen aufgebessert (ohne Ofen, war das Fritieren die einzig mögliche Zubereitungsart).

Heute gibt es diese Basso-Pizzerien wahrscheinlich nicht mehr, auch wenn ich mich noch an ein "Basso" in der Altstadt am Ende der 80er-Jahre erinnere, wo man für eine bestimmte Zeit fritierte Pizzen in einer Pfanne auf dem Gehweg verkauft hat - genau wie im Film. Aber man mußte sofort und nicht erst nach einer Woche bezahlen! Heute gibt es diese "Pizzeria-basso" nicht mehr.

Die Zubereitung der fritierten Pizza ist einfach: man bereitet den klassischen Pizzateig zu und formt nach dem "Gehen" des Teigs viele kleine Pizzen mit einem Durchmesser von 10-15 cm (das hängt von der Pfanne ab). Dann fritiert man sie in Sonnenblumen- oder Erdnußöl. Wichtig ist dabei, daß man wirklich viel Öl benutzt, die Pizzen müssen im Öl "schwimmen". Die "pizzette" können mit einer Soße aus Tomaten, Knoblauch, Origano, einer einfachen Tomatensoße und etwas Parmesan oder nur mit einer Brise Salz angerichtet werden.

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Pizzette fritte - Die Pizzen müssen im Öl "schwimmen"

Die Pizzen müssen im Öl "schwimmen"

Pizzette fritte - Ein Serviervorschlag

Ein Serviervorschlag

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