Neapolitanisches Handvokabular in Bildern

Falls Sie in Neapel oder einem anderen Teil der Welt mit einem Neapolitaner sprechen sollten, ist ein Grundwortschatz des „Handvokabulars“ nützlich und ausreichend für eine dringliche Unterhaltung.

Die Sprache der Hände hat wie jede entwickelte Kommunikationsform ihre Dialekte. Es ist nicht schwierig in verschiedenen Regionen des antiken Königreichs Neapel zwei Personen zu finden, die mit der selben Geste völlig gegensätzliche Dinge zum Ausdruck bringen. Vergleicht man beispielsweise das Handvokabular eines Neapolitaners mit dem eines Kalabresen oder Sizilianers stellt man erstaunliche Unterschiede fest.

Die unten dargestellten Gesten sind typisch für den neapolitanischen Kulturkreis, auch wenn einige von ihnen in ganz Süditalien oder Italien gebräuchlich sind.

Ma che 'vvuo?  (by Francesca - ©)

Ma che ‘vvuò?
Aber was sagst Du eigendlich?” - Daumen und Fingern werden zusammengeführt und zeigen nach oben und das Handgelenk schwingt mehrere Male in Richtung Schulter.  Diese Geste richtet sich an Personen, die viel reden, ohne sich verständlich zu machen.
“Was willst Du?” - Oftmals ist dies mehr als eine Frage, weil sie mit einer versteckten Drohung verbunden wird. Sie wird fast wie eine Herausforderung an eine andere Person gerichtet, die den Gestikulierenden provokativ anstarrt.

‘E ‘ccorna

‘E ‘ccorna
Tiene ‘e ‘ccorna” („der Gehörnte“) - Diese Geste sollte man vor einer Neapelreise unbedingt lernen, denn sie ist die schlimmste Beleidigung für einen Mann. Sie bedeutet, dass er von seiner Frau hinterlistig betrogen wird – dass sie ihm „Hörner aufsetzt“. Ich kann Ihnen nur wärmstens von ihrem Gebrauch abraten...
Uocchio e maluocchio” (Beschwörung) - Die Neapolitaner sind sehr abergläubisch und glauben an die Macht des bösen Blickes. Wenn die Finger auf den Boden zeigen, soll diese Geste vor dem bösen Blick schützen.

Se t’acchiappo/Mannaggia  (by Francesca - ©)

Se t’acchiappo/Mannaggia
Wenn ich Dich erwische kannst Du was erleben!“ Die Hand befindet sich zwischen den Zähnen, um die Zunge vor dem Aussprechen böser Worte zu hindern. Oft wird diese Geste von Müttern benutzt, um ihre Kinder zurechtzuweisen. Diese wissen allerdings genau, dass auf diese Art der Zurechtweisung niemals Taten folgen.
Falls man den Kopf dabei nach links und rechts bewegt, kann diese Geste auch die Bedeutung von “verflixt!” haben.

Si n’allocco, nu’ turzo Amici per la pelle (by Francesca - ©)

Si n’allocco, nu’ turzo
”Du bist ein Dummkopf!” Der Unterarm befindet sich in vertikaler und gut sichtbarer Position, wobei die Hand sich um die Achse des Armes dreht. Diese Geste richtet sich an leichtgläubige Personen, die einfach zu hintergehen sind.

Ma chi t’ha fatto fa’? (by Francesca - ©)

Ma chi t’ha fatto fa’?
Die Handflächen werden zusammengeführt und schwingen wiederholt zum Brustkorb und wieder von diesem weg.
Diese Geste ist vieldeutig, weshalb der Kontext und der Gesichtsausdruck für ihr Verständnis wichtig sind.
Sie kann Ungeduld anzeigen: “Mach’ schnell!”, aber auch Resignation und beginnende Aufregung, sobald man die Geduld verliert: “Was willst Du denn noch von mir?”. Oft hat sie auch die Bedeutung: “Wie bist Du denn darauf gekommen, so etwas zu tun?” In diesem Fall ist die Weite der Handschwingungen kleiner, aber schneller.

S’hanno accucchiate!  (by Francesca - ©)

S’hanno accucchiate! 
Sich zusammentun /etwas „miteinander haben“
Zwei Personen, die sich aus einem bestimmten Grund zusammentun. Das kann sich auf ein Liebespaar beziehen, aber auch auf die Vereinigung von Kräften für nichr ganz saubere Zwecke.

 

Amici per la pelle (by Francesca - ©)

Amici per la pelle
Busenfreunde - Diese Geste ist in der ganzen Welt bekannt und nicht untrennbar mit dem neapolitanischen Kulturkreis verbunden. Sie bedeutet das Vorhandensein einer unzertrennlichen Freundschaft.
Bei Kindern ist die Geste als „flic e floc“ bekannt, wodurch eine unlösbarer Pakt geschlossen wird.

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