Lupanare - Das antike Freudenhaus von Pompeji

Im Oktober 2006 wurde für die Öffentlichkeit das antike Bordell „Lupanare“ geöffnet, eines der bekanntesten Gebäude des antiken Pompeji. Nach schwierigen Restaurierungsarbeiten erstrahlt es nun endlich wieder in seinem alten Glanz.
Das einstige Freudenhaus weckt die Neugierde zahlreicher Touristen, die etwas über das erotische Leben der adligen Patrizier und des Volkes von Pompeji in der römischen Epoche erfahren möchten.

Im Lupanare konnte man sich völlig der Wollust und dem exzessiven erotischen Vergnügens hingeben. Die Kunden des Bordells hatten vorwiegend einen niedrigeren sozialen Stand und bestanden aus „Liberti“ (freigelassenen Sklaven), Sklaven und Gelegenheitshändlern, denn der Besuch im Freudenhaus war besonders preisgünstig. Unter den vielen Orten des Alltagsvergnügens befanden sich also nicht nur das „Palästra“, das Theater oder die Therme. Besonders die Orte, an denen die Menschen sich völlig dem Vergnügen ihrer Sinne hingeben konnten hatten einen enormen Zulauf: die 'Lupanare“. Das Wort „lupanare“ kommt übrigens von „Lupa“ (Wölfin), das lateinische Wort für Prostituierte.

Vom „Lupanare pompeiano“ wurden die architektonischen Komplexe und farbenprächtigen Dekorationen restauriert. Die Wände des Gebäudes waren mit erotischen Gemälden in rot-braunen Farben, Mosaiken und Zeichnungen bedeckt, auf denen verschiedene erotische Positionen und obszöne Leistungen abgebildet waren. Die erotischen Gemälde, vor allen Dingen die gewagtesten, befanden sich direkt am Zimmereingang. Sie dienten wahrscheinlich als Katalog mit einer Auswahl der von der Prostituierten angebotenen Dienste.

Manche der „Lupanare“ waren klein und hatten nur ein Zimmer, das sich oft im oberen Stockwerk einer Bottega oder Taverne befand. Es gab jedoch auch größere Bordelle mit zehn Zimmern auf zwei Stockwerken, fünf oben und fünf unten, wo jede Prostituierte ihre Kunden empfangen hat. Das Bordell verfügte über eine Osteria, eine Latrine und einfach eingerichtete fensterlose Zimmer mit gemauerten Betten, die mit Matratzen bedeckt waren. Damit die Kunden auch nachts ihren Weg zum Bordell finden konnten, wurde der Zugang mit einer Lampe in Form eines erigierten Penis beleuchtet.

Es ist zu unterstreichen, daß der exzessive Realismus der erotischen Szenen nicht nur in den „Lupanare“ des antiken Pompeji, sondern auch auf vielen Mosaik-Fußböden, Gemälden und Gegenständen in Privatwohnungen dargestellt wurde. Dadurch wird klar, welchen vitalen Teil der Eros am täglichen Leben der römischen und pompejanischen Gesellschaft des I. Jahrhunderts n. Chr. hatte. Die Pompejaner sind sehr freizügig mit ihrer Sexualität umgegangen und haben offen über ihre erotischen Erfahrungen gesprochen. Die Männer waren stolz auf ihre erotischen Unternehmungen und die Frauen auf ihre erotischen Fähigkeiten.

Viele der Mosaike, Gemälde und Penis-Objekte kann man heute im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel besichtigen. Daneben sieht man dort auch Öllampen in Form von Penissen und Marmorskulpturen in obszönen Positionen.

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