Die Geschichte des "unterirdischen Neapels"

Das unterirdische Neapel (Napoli sotterranea)

Die Geschichte des "unterirdischen Neapels" reicht lange zurück. Schon die Griechen nutzten den weichen Tuffstein als Konstruktionsmaterial und die beim Abbau des Tuffs entstandenen unterirdischen Höhlen als Wasserzisternen.

Danach bauten die geschickten Römer ein hydraulisches Verbindungssystem zwischen den Zisternen. Durch Aquädukte wurden Wasserquellen der Umgebung in unterirdischen Kammern umgeleitet und die Bevölkerung konnte aus verschiedenen Brunnenschächten Wasser holen.

Im Mittelalter hat sich Neapel stark vergrößert und man benötigte deshalb viel Baumaterial, das aus dem unterirdischen Tuffstein gewonnen wurde. Die Höhlen sind dabei durch den Abbau des Tuffsteins entstanden, der zum Bau des jeweils über einer Höhle liegenden Hauses diente; jedem Gebäude entspricht also "seine" unterirdische Höhle. Die Höhlen wurden in Zisternen umgebaut, durch Kanäle verbunden und als Wassersystem genutzt.

Nach einer großen Choleraepidemie in 1885 entschied man, das Zisternensystem nicht mehr für die Wasserversorgung zu verwenden, sonden es durch eine moderne Wasserleitung zu ersetzen. Die Zisternen ohne Wasser wurden damals von der ärmsten Schicht der Bevölkerung bewohnt.

Im 2. Weltkrieg entpuppten sich die Höhlen als wahrer Segen: man gebrauchte sie als Luftschutzbunker, die dank ihrer schnellen Erreichbarkeit unter jedem Gebäude Tausenden Neapolitanern das Leben retteten.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Höhlen dann mit dem Schutt der durch die Bomben zerstörten Gebäude gefüllt und auch in den 50er und 60er-Jahren als Mülldeponie benutzt. So geriet das unterirdische Neapel langsam in Vergessenheit...

Ende der 70er-Jahre gab es einen verheerenden Brand in einem Sägewerk, das in den vorangehenden Jahrzehnten seine Sägespäne in den unter dem Gebäude liegenden Höhlen entsorgt hat. Der Brand erreichte auch diese unterirdischen Höhlen und sein Rauch verbreitete sich schnell durch die alte Tunnelverbindung in allen Kellern des Stadtteils Chiaia. Während der drei Tage andauernden Löscharbeiten entdeckte die Feuerwehr eine gemauerte Treppe zu einem Keller. Sie führte zu einem Bunker, voll mit beeindruckenden Wandzeichungen aus dem täglichen Leben des 2. Weltkrieges (z. B. eine italienische Fußballmannschaft der damaligen Zeit oder Mussolini-Karikaturen). Die interessanten Funde erweckten wieder das Interesse der Bevölkerung für das unterirdische Neapel.

In den 80ern konnten schließlich dank der Arbeit der ausschließlich für diesen Zweck gegründeten Vereine viele der Höhlen für Besucher zugänglich gemacht werden.

Weiterhin in 2006 hat die Comune di Napoli ein neues Projekt zur Wiederherstellung und Restaurierung des Bourbonentunnels gestartet. Dabei wurden die bourbonischen Mauern sowie einige "Oldtimer" Autos restauriert, die man in den Höhlen gefunden hat. Die in den Tuffstein eingegrabenen Tunnel wurden szenografisch beleuchtet.

Weitere Informationen:
»
Das unterirdische Neapel (Napoli sotterranea)
» Der Bourbonentunnel (Borbonica sotterranea)

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