Der Karneval am Golf von Neapel

Die ersten Zeugnisse über den neapolitanischen Karneval erhält man in den Gedichten des neapolitanischen Adligen Giovan Battista del Tufo, wo von gut gekleideten Reitern und kleinen Umzügen die Rede ist. Demnach begann der neapolitanische Karneval am 17. Januar (la festa di Sant’Antonio Abate) und war im 16. Jh. den Adligen vorbehalten, die kostümiert zu großen Bällen und luxuriösen Empfängen erschienen sind.
Bereits im 17. Jh. wurde der Karneval auch ein Fest des Volkes, organisiert von Fischern und Händlern. Das einfache Volk feierte bunt und öffentlich in den engen Gassen und auf den Plätzen Neapels. Der Karneval wurde damals von merkwürdigen Kostümen, besonderen Spielen, Orgien und obszönen Gesängen begleitet. So entwickelten sich damals verschiedene Formen des Karnevals nebeneinander: der noble Karneval der Adligen, der des einfachen Volkes und der von der Kirche mit Prozessionen veranstaltete Karneval. Unter den Bourbonen erreichte der Karneval am Tag des Festes von Piedigrotta seine höchste Blüte, mit Umzügen, schönen Kostümen und reich geschmückten Wagen.

Heute gibt es leider keine Umzüge mehr im Zentrum Neapels, aber in einigen Vororten der Stadt ist die Tradition erhalten geblieben. In Neapel veranstalten vorwiegend jüngere Leute in der Nacht von Sonntag auf Montag private Kostümpartys, "veglione di carnevale", auf denen man sich verkleidet und ausgiebig speist. Wer heute zur Karnevalszeit einen Spaziergang durch Neapel unternimmt sollte sich vorsehen, denn oftmals werfen freche Kinder rohe Eier auf die Passanten und und besprühen sie mit Rasierschaum...

Die neapolitanische Küche ist an Karneval besonders bunt und vielfältig. Neben traditionellem Gebäck werden einige wirklich einzigartige und gehaltvolle Speisen zubereitet.

Wie auch in anderen Regionen Italiens wird die Küche in Kampaniens zur Faschingszeit von der Lasagne dominiert, deren Zubereitung sehr zeitaufwändig ist. Man kocht sie traditionell am "martedi grasso" (dem "fetten Dienstag"). Es gibt kein genaues Rezept der Lasagne, den jede Familie bereitet sie nach ihrem eigenen Geschmack zu. Die Grundzutaten sind aber immer Mozzarella, Ricotta und frittierte Hackfleischbällchen. Je nach Geschmack gibt man in Würfel geschnittene Salami, klein geschnittene gekochte Eier oder Cervellatine (Würstchen) hinzu und verwendet Ricotta nach gusto. Die Fleischsoße benötigt eine längere Kochzeit und wird deshalb bereits am Tag vorher zubereitet. Der große Tag der Lasagne wird dann ausgiebig mit Verwandten und Freunden gefeiert.

Ein weiterer typischer Gang war in der Vergangenheit das "carne mista al ragù" (gemischtes Fleisch mit Ragù-Soße), gefolgt von den "fegatini arrostiti" (gegrillte Leber) mit "friarielli" (einem Brokkoligemüse, das man nur am Golf von Neapel findet). Heute verzichtet man auf diese beiden schweren Speisen.

Zum Nachtisch wird traditionelles Gebäck, wie z.B. Chiacchiere, serviert. Diese frittierten Teigstückchen wurden früher zu einer speziellen Soße aus Schweineblut (Sanguinaccio) gereicht, in welche die einzelnen Chiacchiere vor dem Verzehr eingetaucht wurden. Heute ist der Verkauf von Schweineblut verboten und man taucht die Chiacchiere stattdessen in leckere Schokoladensoße.
Außerdem wird der Migliaccio gegessen. Er besteht unter anderem aus dem für die Polenta verwendeten Weizengries.

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